Im Mai 2026 unternahmen wir, Klara und Sophie mit einem Arcus T, dem Förderflugzeug des Luftsportverbandes Bayern einen sechstägigen Wandersegelflug durch Deutschland, Österreich und Polen.
Wir kennen uns seit 2023 als wir Förderpilotinnen im AMF waren und die AM1 (damaliges Förderflugzeug LS4) fliegen durften. Nach dem Jahr nahmen wir uns vor jedes Jahr gemeinsam etwas fliegerisch zu unternehmen. 2026 sollte es Wandersegelflug werden.

Klara links im Bild, Sophie rechts
Tag 1 17.05.26 Von der Hahnweide nach Linz Ost
Der erste Flugtag war am Sonntag, den 17. Mai. Kurz nach dem Start testeten wir direkt den Motor und ließen ihn gleich ein paar Minuten länger laufen. Nachdem wir über die Schwäbische Alb gekrabbelt sind, entwickelte sich das Wetter zunehmend. Mit jeder Wolke wuchs die Freude am Fliegen und wir kamen, immer der Donau folgend, zügig voran.
Als Linz Ost nur noch rund 30 Kilometer entfernt lag und wir den Bayerischen Wald bereits hinter uns gelassen hatten, fanden wir plötzlich kein nutzbares Steigen mehr. So glitten wir unserem Ziel entgegen. Zwar reichte die Ankunftshöhe problemlos aus, doch der unerwartet lange Endanflug ließ uns die Luft anhalten. Umso größer war die Erleichterung, als der Flugplatz schließlich hinter einem Hügel auftauchte, malerisch an der Donau und direkt vor der Stadt Linz gelegen.

Ankunft in Linz Ost
So gelang uns ein 411 Kilometer langer Flug nach Linz Ost mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 109 km/h.
In Linz wurden wir von Rudi Schlesinger herzlich unterstützt, der maßgeblich dazu beitrug, dass unser Aufenthalt in Österreich so angenehm verlief. Da sich der örtliche Verein gerade im Fluglager befand, konnten wir den Arcus über Nacht sicher in der Vereinshalle unterstellen.
Vielen Dank an die Flugsportgruppe Union Linz und die herzliche Gastfreundschaft!
Tag 2 18.05.26 von Linz Ost nach Bronkow
Nach einer Übernachtung im nahegelegenen Montagehotel brachte uns Rudi Schlesinger am Montagmorgen zurück zum Flugplatz.
Bei der Flugvorbereitung diskutierten wir verschiedene Streckenvarianten, darunter die Route über Tschechien. Da sich das Wetter auf der deutschen Seite jedoch deutlich besser entwickeln sollte, entschieden wir uns für den Weg entlang des Bayerischen Waldes, vorbei am Großen Arber, über den Oberpfälzer Wald und westlich des Erzgebirges weiter Richtung Nordosten.
Die Landschaft bei Riesa-Canitz wirkte nach den Mittelgebirgen plötzlich sehr flach. Klaras Kommentar „Viel Gegend“ brachte den Eindruck auf den Punkt. Ein besonderes Erlebnis war der Kraftwerksbart bei Cottbus. Die kräftige, ruppige Thermik und die rasant aufsteigenden Wolken sorgten für ein ungewohntes Fluggefühl. Lieber schnell weiter.
Kraftwerksbart Cottbus
Der Flug nach Bronkow verlief insgesamt entspannt. Bei großräumig guten Bedingungen legten wir 613 Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 105 km/h zurück.
In Bronkow wurden wir vom Fliegerclub herzlich empfangen. Auf dem Flugplatz herrschte reges Treiben, da in dieser Woche der Spreewaldpokal ausgetragen wurde. Kurzerhand bekamen wir ein eigenes Zimmer mit Stockbetten, und „Futzi“ nahm uns zum Einkaufen mit. Spaghetti, Tiramisu und ein geselliger Abend mit den Bronkower Fliegern ließen uns in unserem neuen Nomadendasein schnell ankommen.
Am Abend organisierten wir mit nur wenigen Telefonaten die nächste Etappe nach Eisenhüttenstadt. Das Wetterfenster für den folgenden Tag wurde deutlich kleiner.
Abendliche Flugplanung für den Folgetag
Tag 3 19.05.26 Von Bronkow nach Eisenhüttenstadt
An diesem Tag half uns Sascha Dey in die Luft und wir vertrieben uns die Zeit mit Gesprächen, bis die Wolkenbasis schließlich hoch genug war und zum Start einlud.
Unsere Strecke führte zunächst westlich des Luftraumes Berlin und anschließend südlich zurück nach Eisenhüttenstadt. Wir nutzen das Wetterfenster bis an die Grenzen aus um die Gegend zu erkunden. Der Fläming gefiel uns gut.
Der Verkehrslandeplatz Eisenhüttenstadt wird von umliegenden Städten betrieben und verfügt über eine lange Betonpiste.
Anflug auf Eisenhüttenstadt
Am Flugplatz herrschte kaum Betrieb so hatten wir den Platz für uns allein. Kaum gelandet, wurden wir auf der Terrasse mit kühlen Getränken und Brotzeit versorgt.

Brotzeit nach Landung
Das verfügbare Schleppflugzeug verfügte lediglich über 100 PS. Trotz der langen Startbahn beschäftigten wir uns intensiv mit den Leistungsreserven und den Sicherheitsaspekten. Daraus ergab sich eine wichtige Erkenntnis: Bereits bei der Flugplatzwahl sollte geklärt werden, welche Schleppmaschine verfügbar ist und informiert werden dass es sich beim Arcus T um ein schweres Flugzeug handelt.
Am Abend nutzten wir einen Mietwagen, um Eisenhüttenstadt zu besichtigen. Die Stadt beeindruckte durch ihre besondere Architektur. Die ehemalige, sozialistische Planstadt wartet mit breiten Alleen, Wohnungskomplexen mit hohen Wänden und Stuck an den Decken auf. Die arbeitende Klasse sollte herrschaftlich leben.

Stalinstadt Eisenhüttenstadt
Die Übernachtung am menschenverlassenen Flughafen, in einem Raum mit großen Fensterflächen und der Gedanke an das schwache Schleppflugzeug sorgte für eine unruhige Nacht.
Tag 4 20.05.26 Von Eisenhüttenstadt nach Lubin in Polen
Vor dem Start eröffnete Klara vorsorglich einen Flugplan und wir erfuhren erst später, dass das zwischen Deutschland und Polen nicht erforderlich ist.

Vor dem Start in Eisenhüttenstadt
Vor dem Start besprachen wir mit dem Schlepppiloten das Startabbruchverfahren. Der Start erfolgte mit hoher Konzentration und verlief problemlos. Abschirmungen und Grauthermik bestimmten den weiteren Flug und wir tasteten uns vor.

Grauthermik, besser als es aussieht
In Polen ließen wir von Poznań Information führen. Sophie flog während Klara sich um Lufträume, Transponder und Funk kümmerte. Für einen Querung durch den Luftraum von Zielona Góra erhielten wir eine Freigabe. Als wir über dem Flugplatz einkreisten, überraschte uns ein Kompliment des Lotsen über Funk: „Nice glider“. Das sorgte für Lachen im Cockpit inmitten unserer Konzentration.
In Lubin wurden wir außerordentlich gastfreundlich empfangen. Der Arcus erhielt einen Platz in einem riesigen Hangar und wir wurden mit Kaffee und kühlen Getränken versorgt.

Arcus in den Hangar
Marius, der Leiter der Flugschule, organisierte persönlich unsere Unterkunft im Hotel und spannte einen Flugschüler als Chauffeur ein. Wir genossen eine erholsame Nacht.
Tag 5 21.05.26 von Lubin nach Nardt
Am Donnerstag fuhr uns Marius persönlich vom Hotel zum Flugplatz. Der Abschied war sehr herzlich. Lubin lässt ausrichten, dass Fluggäste bei ihnen sehr willkommen sind. Für Fluglager und Ausbildungsbetrieb bietet der Platz hervorragende Bedingungen. Viele der polnischen Piloten sprechen ausgezeichnet Deutsch und informierten uns vor dem Start ausführlich über die örtlichen Gegebenheiten.

Vor dem Start in Lubin

Super Nachbarn
Der Start erfolgte früh, da wir Polen erkunden wollten, bevor es zurück nach Deutschland ging. Doch schon bald zeigte sich, dass die Thermik noch schwächer als am Vortag war und eine ausgedehnte, dichte Abschirmung zog rasch über unseren geplanten Flugweg. Während die Grauthermik am Vortag noch reinen Segelflug ermöglichte, waren an diesem Tag zwei Motorläufe erforderlich, um Nardt zu erreichen.

Abschirmung, Gegenwind und weitläufige polnische Wälder.
In Nardt angekommen begegneten wir vergnügten Fallschirmspringern die von einer Wilga abgesetzt wurden. Wir fuhren mit dem Taxi in die Stadt, gingen essen und Lebensmittel einkaufen. Die Nacht verbrachten wir am Flugplatz in einem Container mit Betten mit gebügelter Blümchenbettwäsche. Doch die Geräusche des Waldes neben uns und der lange Heimweg am Folgetag ließen uns unruhig schlummern.
Tag 6 22.05.26 Von Nardt zur Hahnweide
Der Freitag war als große Rückflugetappe geplant, deshalb begann unser Tag schon früh. Vor dem Start wollten wir den Arcus tanken. Am Flugplatz ließ sich allerdings nur ein Gefäß auftreiben, das einer alten Blechmilchkanne glich. Kurzerhand wurde die Wilga daraus betankt mit der Bemerkung des Schleppiloten: „Die Wilga frisst alles“. Anschließend war das Gefäß gereinigt und konnte für unsere Tankfüllung verwendet werden. So kam das von uns vorsorglich mitgeführte Zweitaktöl zum Einsatz.
Danke für die Gastfreundschaft Aeroclub Hoyerswerda
Die Wettervorhersage versprach gute Bedingungen, dennoch gestaltete sich der Flug anspruchsvoll. Die Wolken sah vielversprechend aus, lieferte aber nur schwaches, unregelmäßiges Steigen. Bei niedriger Basis arbeiteten wir uns Richtung Erzgebirge vor. Nach einer schwierigen Phase fanden wir schließlich eine Konvergenzlinie.

Konvergenz an der Grenze zu Tschechien
Ab dem Fichtelgebirge verschwand die Bewölkung zunehmend. Hinter Grafenwöhr war die Strecke vollständig blau. Wacker strebten wir der Alb entgegen bis wir zur Überwindung der Albkante den Motor nutzen.

Wir sind zurück! Die Burg Teck in der Nähe der Hahnweide
Überglücklich und stolz landeten wir schließlich wieder auf der Hahnweide. Kaum ausgestiegen, liefen wir Walter Eisele in die Arme, der uns herzlich willkommen hieß. Eine kühle Limonade, von unserem Freund Linus, gab uns neue Energie, bevor wir den Arcus für die Rückgabe gründlich reinigten und ihn anschließend unter der fachkundigen Anleitung von Biggo Berger abrüsteten.
Den Abschluss unserer Reise verbrachten wir auf der Terrasse des Hahnweide-Restaurants. Noch ganz überwältigt von den Erlebnissen fehlten Sophie die Worte für den WeGlide-Kommentar. Was schreibt man nach einer solchen Reise? Klara fasste die Erlebnisse des Tages chronologisch zusammen und formulierte den perfekten Kommentar.
Rückgabe des Flugzeugs
Am Samstag fuhren wir nach Amberg um den Arcus zurückzugeben. Die Abnahme verlief ohne jede Beanstandung. Und obwohl wir das Flugzeug sorgsam hegten und pflegten fiel uns fiel ein Stein vom Herzen dass dass wir den schönen Arcus wohlbehalten zurückgeben konnten. Erst jetzt war die Reise beendet.
Rückblick
Rückblickend war die Reise ein großes Glück. Wir hatten Urlaub, das Flugzeug und das Wetter. Durch geschickte Routenwahl konnten wir im fliegbarem Wetter bleiben und uns den Traum vom Wandersegelflug verwirklichen. Der Turbo ermöglichte das Erreichen der geplanten Ziele auch bei schwächeren Bedingungen. Es hat uns außerdem überrascht, wie einfach es war einen Flugplatz mit F-Schlepps für den Folgetag zu organisieren. Mit drei Telefonanrufen am Vorabend konnte alles geklärt werden.
Ebenso in Erinnerung bleiben die vielen hilfsbereiten Menschen. Ob in Österreich, Deutschland oder Polen überall wurden wir freundlich aufgenommen und unterstützt.
Unser herzlicher Dank gilt dem Luftsportverband Bayern für die Bereitstellung des Arcus T und das entgegengebrachte Vertrauen. Ohne eure Förderung wären diese Flüge nicht möglich gewesen.