Abschied in Bled: Walter Eisele übergibt den Staffelstab

Es war ein Abschied ohne großes Podium, dafür mit viel Thermik und unter Freunden: Beim diesjährigen AMF-Frauenalpenflugtrainingslager im April in Bled wurde Walter Eisele nach 40 Jahren als Trainer und Mentor geehrt. Ein Rückblick auf eine Ära, die den Frauensegelflug in Baden-Württemberg geprägt hat.

Von der Teilnehmerrunde aus Bled

Wenn man nach 111 Trainingslagern und vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit „Servus“ sagt, dann am besten dort, wo das Herz schlägt: am Flugplatz. In Bled, nach Flugvorbereitung und abendlichem Debriefing, nutzten die Teilnehmerinnen und Trainerkollegen die Gelegenheit, um mit der Laudation von Gudrun Bühler auf Walters beeindruckendes Wirken zurückzublicken.

Pionierarbeit und Verbandsarbeit

In der baden-württembergischen Szene ist Walter Eisele eine feste Größe. Lange Jahre prägte er als Segelflugreferent und Vizepräsident im BWLV die sportlichen Geschicke im Land.

19 Jahre war er verantwortlicher Trainer der deutschen Frauennationalmannschaft und 6 Jahre Vorsitzender der Bundeskommission Segelflug im DAeC.

Doch sein Herzensprojekt war und ist der Frauensegelflug. Was vor 40 Jahren mit ersten Treffen und wenig Struktur begann, mündete 2007 – nach dem tragischen Verlust seiner Flugpartnerin Angelika Machinek – in der Gründung des AMF zusammen in enger Teamarbeit mit Susanne Schödel. Damit schufen sie ein Netzwerk, das heute über 300 Pilotinnen eine Plattform bietet.

Mehr als nur Theorie

Dass Walter selbst ein Pilot der Extraklasse ist – Nationalmannschaft, Streckenflug-Crack und Hahnweide-Urgestein –, war für die Pilotinnen im Training immer ein Gewinn. Er konnte nicht nur erklären, wie man die Linie am Hang findet; er hat es vorgeflogen.

In Bled wurde deutlich, wie nachhaltig diese Arbeit ist: In der aktuellen Runde saßen drei junge Nachwuchspilotinnen neben sieben „alten Hasen“, die Walters Schule seit Jahren durchlaufen haben. Für viele der Teilnehmerinnen wäre der Segelflug ohne seinen Zuspruch und seine Hartnäckigkeit wohl nicht derselbe geblieben.

Die nächste Generation übernimmt

Auch wenn Walter im letzten Jahr den Vorsitz des AMF offiziell an die neue Führung (nun Ehrenvorsitzender neben Susanne Schödel) abgegeben hat, war dieser Abschied als Organisator in Bled ein persönlicher Meilenstein. Mit Rainer Peghini und Veit Layer ist das Trainerteam für die Zukunft gut aufgestellt – ganz im Sinne von Walters Philosophie: Fordern, Fördern und die Begeisterung für die Freiheit in der Luft weitergeben.

Dass Walter als „Leader“ aufhört, bedeutet glücklicherweise nicht, dass er vom Flugplatz verschwindet. Die Pilotinnen können sich darauf freuen, ihn weiterhin am Start zu treffen – dann vielleicht mit etwas weniger Organisationsstress, aber mit derselben Leidenschaft für den nächsten Bart.

Die Rede endete unter viel Applaus mit den Worten : Danke, Walter, für 40 Jahre Einsatz, Geduld und die vielen Kilometer unter den Flügeln.

Text und Bild von Gudrun Bühler.