Schnell, Schneller Hotzenwald – Podestplatz beim 61. Internationalem Hotzenwald Wettbewerb

Johanna Steil berichtet von ihrer Teilnahme
Ende Mai ging es für mich zum Hotzenwaldwettbewerb nach Hütten. Acht Tage Segelfliegen im Schwarzwald, viele bekannte Gesichter und die Aussicht auf eine Woche, in der sich alles nur ums Fliegen dreht.
Wenn man Menschen erzählt, dass man auf einen Segelflugwettbewerb fährt, kommt oft die Frage, ob das nicht unglaublich stressig sei. Tatsächlich empfinde ich Wettbewerbe inzwischen als eine der entspanntesten Arten zu fliegen. Man muss sich keine Gedanken darüber machen, ob sich ein Flugtag lohnt oder welche Strecke bei den Bedingungen sinnvoll wäre. Das übernimmt die Wettbewerbsleitung. Es gibt Schlepppilotinnen, Helferinnen und eine eingespielte Organisation. Man kann sich einfach aufs Fliegen konzentrieren.
Mein eigener Wettbewerb begann allerdings alles andere als erfolgreich. Bereits am ersten Wertungstag landete ich noch vor der Abfluglinie in Ibach außen. Ein Nuller direkt zum Auftakt war definitiv nicht der Start, den ich mir vorgestellt hatte. Trotzdem war die Stimmung im Team und unter den anderen Pilot*innen sofort positiv. Niemand machte daraus eine große Sache. Stattdessen hieß es einfach: „Passiert. Morgen geht’s weiter.“ Und genau das ist etwas, das ich an Wettbewerben besonders mag. Natürlich wird um Punkte geflogen, aber mindestens genauso wichtig ist die Gemeinschaft. Man hilft sich gegenseitig, fiebert miteinander mit und verbringt eine Woche mit Menschen, die alle dieselbe Leidenschaft teilen. Im Laufe der Woche lief es für mich dann immer besser. Besonders spannend wurde es am fünften Wertungstag. Während ich an diesem Tag einen meiner besten Wettbewerbsflüge der Woche erwischte und nur wenige Minuten hinter den Tagesschnellsten ins Ziel kam, spielte sich gleichzeitig eine Geschichte ab, die für mich den eigentlichen Geist des Wettbewerbs zeigt. Anna, die mit mir in der Standardklasse flog, musste auf der Schwäbischen Alb außenlanden. Eigentlich hätte das eine Rückholtour von rund sechs Stunden bedeutet. Für viele Pilot*innen wäre das schon ärgerlich genug gewesen. Für Anna als Mutter von Kindern hätte das zusätzlich bedeutet, erst sehr spät wieder zuhause zu sein.
Doch dann griff die Segelfluggemeinschaft ineinander. Durch etwas Organisation konnte der örtliche Verein in Albstadt den eigenen Discus direkt aufbauen, Anna mit dem leeren Hänger vom Feld holen und den Anna samt Flieger nach Albstadt bringen. Dort wurde er wieder aufgebaut. Anschließend konnte eine Schleppmaschine aus dem Hotzenwald Anna und ihren Flieger heimschleppen. Statt einer nächtlichen Rückholaktion war sie rechtzeitig zurück und konnte den Abend mit ihren Kindern verbringen. Für mich war das einer der schönsten Momente der gesamten Woche. Er zeigt, dass Wettbewerbe eben nicht nur aus Wertungspunkten und Tabellen bestehen. Sie funktionieren vor allem deshalb, weil Menschen füreinander da sind und gemeinsam Lösungen finden.
Mindestens genauso viel Spaß wie die Wertungstage machten die Teamflüge. Am neutralisierten Tag war ich gemeinsam mit Anna unterwegs, am letzten Wettbewerbstag mit Alex. An beiden Tagen passte einfach alles zusammen: gutes Wetter, schnelle Entscheidungen und viel Vertrauen ineinander. Dabei konnte ich Geschwindigkeiten fliegen, die ich so vorher noch nie erreicht hatte. Solche Flüge sind die Momente, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben.
Am Ende reichte es für mich trotz des Nullers am ersten Tag sogar für Platz drei in der Standardklasse. Natürlich freue ich mich über das Ergebnis. Noch mehr freue ich mich aber über die Woche insgesamt.
Falls du bisher dachtest, Wettbewerbe seien nur etwas für absolute Spitzenpilotinnen, kann ich dich beruhigen. Die meisten Menschen dort wollen einfach eine gute Zeit haben, viel fliegen und etwas lernen. Man muss kein Profi sein, um mitzufliegen. Im Gegenteil: Wettbewerbe sind wahrscheinlich einer der besten Orte, um fliegerisch besser zu werden und gleichzeitig eine richtig gute Woche mit Freundinnen zu verbringen.
Der dritte Platz steht jetzt in einer Ergebnisliste. Die gemeinsamen Flüge, die Abende auf dem Flugplatz und Geschichten wie Annas Rückholung werden mir deutlich länger in Erinnerung bleiben.